Vogelschutz

Erste Systemstests und weitere Entwicklung

 

Die Entwicklung unseres automatischen Kamerasystems zum Schutz windkraftempfindlicher Vogelarten macht große Fortschritte.

Im Juli wurde die erste Version des neuronalen Netzwerks entworfen und am 01. August 2018 in ein automatisches Recordingsystem im Bürgerwindpark Weißbach eingearbeitet. Die erste, frühe Version mit einer noch sehr kleinen Datenbank wurde in den letzten vier Wochen erfolgreich getestet. Bei Anflug eines windkraftempfindlichen Vogels erkennt das Kamerasystem den Vogel und startet eine Aufnahmefunktion bis der Vogel wieder aus dem Kamerafeld verschwunden ist. Diese Testphase diente zum einen zur unter Beweisstellung der Technik und zum Sammeln weiterer Daten, auch von Fehlauslösungen.

Am 06. August 2018 hatten wir erstmalig Biologen vor Ort und konnten das System artenschutzfachlich validieren. Alle Vögel im Gefahrenbereich der Anlage wurden während des Monitorings erfolgreich detektiert und aufgenommen. Der Bericht kann gerne bei uns unter info@buergerwindpark.de angefordert werden.

 Mit den nun vorliegenden Erkenntnissen soll das Netzwerk im Laufe des Herbstes weiter verfeinert und optimiert werden. Ein Tracking der erkannten Bilder wird ergänzt mit dem Ziel umweltbedingte Fehlauslösungen zu reduzieren und die Datenbank mit deutlich mehr Bildern von Rotmilan und Mäusebussard für einen noch bessere Erkennungsrate zu füttern.

Auch führen wir derzeit Systemtests mit 20 Megapixelkameras durch. Diese Ergebnisse sollen in einem ersten Prototypensystem münden, welches im Frühjahr 2019 sowohl im Bürgerwindpark Weißbach als auch in zwei, drei weiteren Windparks eingebaut werden soll. Während der Brutperiode 2019 soll dann eine umfangreiche Begleitforschung starten, um unter anderem die im ersten Monitoring aufgeworfenen Fragen zu beantworten.

 Bereits jetzt hat sich gezeigt, je nach Vogelart wird später eine unterschiedliche Konfiguration der Hardware erforderlich sein (insb. Anzahl der Kameras, Auflösung der Kameras und Brennweite der Objektive). Mit den umfangreichen Tests nächstes Jahr, sollen auch hierfür detaillierte Erfahrungen gewonnen werden. Die rasante Entwicklung der Kamera- und Bildverarbeitungsbranche kommt unserem System dabei sehr entgegen.

 

Sehen Sie hier unsere ersten Videos

 

 

 

Pressemitteilung vom 12. Juli 2018

 

Niedernhall: Die Bürgerwindpark Hohenlohe GmbH geht neue Wege bei der Entwicklung eines kamerabasierten Vogelschutzsystems und setzt dabei auf neuartige Bildverarbeitungstechnologie. Seit März 2018 finden Tests mit unterschiedlicher Hardware sowie die Entwicklung einer Basissoftware statt. Eine Erkennung von Rotmilan und Mäusebussard wird derzeit mittels einer als neurales Netzwerk bezeichneten „Deep Learning Technologie“ realisiert.

Im Rahmen der Entwicklungstätigkeiten wurde in Kooperation mit einem Unternehmen, welches sich auf die digitale Bildverarbeitung spezialisiert hat, eine Möglichkeit erarbeitet, vollautomatisch unterschiedliche Vogelarten zu identifizieren. Dabei wurden im ersten Entwicklungsschritt ca. 200.000 Bilder der windkraftempfindlichen Vogelart Rotmilan als auch dem in Deutschland sehr häufig vorkommenden Mäusebussard aufgenommen und mittels einer dafür eigens programmierten teilautomatisierten „Tagging-Software“ in einer intelligenten Datenbank klassifiziert. Das Live-Bild des Kamerasystems an der Windenergieanlage wird künftig in Echtzeit mit der Datenbank abgeglichen. Bei einer Übereinstimmung der Vogelart soll ein Tracking des Objekts begonnen werden und der Greifvogel so lange verfolgt werden, bis er sich der Windenergieanlage angenähert hat. Anschließend soll eine automatische Abschaltung oder Drehzahlreduzierung der Windenergieanlage erfolgen, um das Kollisionsrisiko unter die Signifikanzschwelle zu senken. Die derzeit in Entwicklung befindliche intelligente Software wird dabei eine eigenständige weitere Ergänzung der Datenbank vornehmen, um so die Wahrscheinlichkeit von Fehlauslösungen immer weiter zu reduzieren.

Im nächsten Schritt wird das Vogelschutzsystem ab Herbst im Bürgerwindpark Weißbach getestet und diese Arbeiten durch Biologen begleitet.

Im Praxiseinsatz werden künftig eine individuelle Kombination der Software mit unterschiedlich leistungsfähigen Hardwarekomponenten das automatische Erkennen diverser windkraftempfindlicher Vogelarten je nach Anwendungsfall ermöglichen.

 

 

 

Pressemitteilung vom 07. März 2018

 

Durch die rechtssichere Umsetzung aktueller EU-Richtlinien sowie nationaler und länderspezifischer Vorgaben haben die Anforderungen an den Artenschutz bei Windenergievorhaben in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Komplexe Bestandssituationen von windkraftempfindlichen Vogelarten sowie die häufig anspruchsvolle Umsetzung möglicher Vermeidungsmaßnahmen fordert immer öfter die Aufgabe von Windenergieprojekten im Planungs- und Genehmigungsverfahren. Durch den gesetzlich verankerten Individuenschutz wird die Umsetzung der Energiewende an vielen Standorten verhindert.

Für windkraftempfindliche Fledermausarten hat die Branche in den vergangenen Jahren technische Möglichkeiten zur Senkung des Tötungsrisikos unter die Signifikanzschwelle entwickelt. Technische Systeme zur automatischen Erkennung von windkraftempfindlichen Vogelarten wie den Rotmilan kommen bislang nur außerhalb Deutschlands wie beispielsweise in Spanien und Frankreich in der Praxis zur Anwendung.

Der Bürgerwindpark Hohenlohe wird nun diese Lücke schließen und ein eigenes System zur Erfassung von windkraftempfindlichen Vogelarten entwickeln. Hochleistungskamerasysteme überwachen den Luftraum im Umfeld von Windenergieanlagen, erfassen automatisch windkraftempfindliche Vogelarten im Gefahrenbereich und führen zu einer automatischen Abschaltung der entsprechenden Windenergieanlage. Dadurch können künftig Konflikte in der Windenergienutzung und dem Artenschutz deutlich minimiert und unter die Signifikanzschwelle gesenkt werden. So könnten in der Zukunft zahlreiche artenschutzrechtlich bedenkliche Standorte für die Energiewende wieder zur Verfügung stehen, dem Artenschutz wird dabei vollumfänglich Rechnung getragen. 

Im Windpark Weißbach wurde am 06. März 2018 ein erstes Kamerasystem installiert. Nach einer umfangreichen Erprobungsphase beginnt die biologische Begleitforschung unter Einbeziehung der zuständigen Fachbehörden.  Ziel ist es, den Praxisbetrieb automatischer Erfassungssysteme windkraftempfindlicher Vogelarten auch in Deutschland nachzuweisen und dem Markt ein behördlich anerkanntes System anzubieten.